Mond

Erwarteter Regen


Teil: 1 (One-Shot)

Datum: Juli 2006

AN: Ergebnis von Trägheit bei nem "tollen" Schreibkurs der Schulprojektwoche  im Hochsommer... Themenvorgabe: Regen



Da ist nur dieser eine Gedanke. Er kommt immer wieder, unaufhaltsamen, bis er zu einem monotonen Rauschen im Kopf wird und kaum wiederzuerkennen. Aber immer noch ist er da, lässt ihn einfach nicht los, obwohl sich dieser Gedanke niemals festsetzen wird, denn es ist nur eine verzweifelte Lüge. Und trotzdem hört er ihn wieder und wieder, sagt ihn sich vergebens, obwohl er längst weiß, dass dieser Gedanke nicht trösten kann: „Es kann nicht sein.“


Er weiß, dass es sehr wohl war ist, so wie alles um ihn herum: der Himmel in seinem durchdringenden Blau, der laue Wind, der nicht erfrischen, sondern warm wirkt, erstickend, weil er voller Staub ist und über all dem die Sonne. Hell und freundlich würde mancher gedankenlos sagen. Aber sie sticht nur und hält niemanden und nichts verborgen. Er hat sie oft gesehen, aber niemals schien sie ihn derart höhnisch anzulachen. Nein, auszulachen, weil er sich und die Wahrheit nicht verstecken kann. Er spürt nur ihre unangenehme Hitze, auch wenn er sie nicht sehen kann. Das wird er nie wieder. Selbst die Erinnerung wird verblassen und es bleibt nur das Gefühl plötzlich bloßgestellt zu sein. Jeder kann ihn sehen in diesem Licht. Und er?


Der Wind hat in der Zeit aufgefrischt. Er weht nun kühler und aus einer anderen Richtung. Er atmet so tief ein, wie schon lange nicht mehr, riecht, was in der Luft liegt. Alles in ihm ist davon erfüllt. Es ist ein wunderbares Gefühl, denn allein der Geruch reicht aus um zu wissen, dass es regnen wird. Trotz der schwere Hitze weiß er es, als wäre der Regen schon direkt über ihm.

Sie berührt ihn am Oberarm.

„Wollen wir wieder...“ Er schüttelt schnell den Kopf und sie sagt nichts mehr. Warum sich jetzt verkriechen? Warum sich einfach fortführen lassen? Ganz egal, was passiert, er würde sich zu aller letzt zu einem Hilfebedürftigen herabsetzen lassen. Sie stehen eine ganze Weile nur da, während der Wind zunimmt. Er hört ihre Stimme und es klingt, als wollte sie ihm etwas sagen, ihn auf etwas aufmerksam machen. Aber sie bricht ab. Fiel ihr gerade noch ein, dass es nichts bringt?

„Was ist es?“, fragt er vorsichtig, auch wenn er sich dabei entsetzlich hilflos vorkommt. Nicht alle Dinge kann man fühlen oder riechen.

„Eine Wolke.“ Sie spricht langsam, als ob sie sich fürchte ihn traurig zu machen, ihn zu erinnern. Doch das kann er auch so. Er muss nur die Augen öffnen. „Sie ist riesig groß und bewegt sich sehr schnell. Man kann ihr richtig folgen. Ihr Rand ist völlig schwarz, fast wie Qualm. Sie hebt sich von den anderen ab, so dunkel ist sie und jetzt überdeckt sie alles. Es ist... wunderbar.“


Es blitzt. Er weiß es nur, weil sie zuckt und bald darauf der Donner grollt. Er beißt sich auf die Lippe bei der Erinnerung an das Gewitter, die vollkommen überschwemmte Straße und die sich wehrenden bremsen. Sie ahnt es und fragt sich, weshalb er darauf bestand hier draußen zu bleiben. Aber er erwartet diesen Regen. Es ist das letzte, was er gesehen hat, das letzte Mal, dass er seinen Freund gesehen hat. Im Gegensatz zu ihm blieben seine Augen verschlossen und auch wenn seine nun nutzlose sind, sieht er vieles noch immer, irgendwo in sich selbst. Die Sonne hat für ihn die Bedeutung verloren. Für ihn gibt es kein Licht und die Hitze hasst er. Sie erinnert ihn so sehr an die Flammen.


Die ersten Regentropfen fallen. Einer landet auf seiner Wange, sodass er kurz erschrickt. Er ist kühl und läuft an seinem Gesicht herab bis zum Hals. Er spürt ihn, den Regen. Die Tropfen verdichten sich mehr und mehr, hüllen ihn ein. Er spürt es auf der Haut, durch die Kleider, riecht es und wenn er den Mund öffnet, kann er es sogar schmecken. In rasanter Schnelle ist aus dem wenigen Wasser ein Schauer und aus dem Schauer ein Erguss geworden. Sie steht noch immer neben ihm, während der Regen seine Kleider durchweicht und sein innerstes endlich abkühlt. Sie wie die trockene Erde wird, treiben seine Gedanken davon und sein Unvermögen zu begreifen, was passiert ist. Seit er die Augen wieder geöffnet hat, ist alles unwirklich gewesen. In der trockenen Luft fand er keinen Hinweis auf das Geschehen und sein Unterbewusstsein hatte ihm selbst den Zugang zu seinen Erinnerungen versperrt.

Aber nur bis zu dem Moment, in dem der Regen aufkam. Er hatte ihn so sehr herbeigesehnt, das weiß er jetzt. Er hatte kommen müssen. Die Kühle, die Dunkelheit, die ab diesem Tag nun immer sein Begleiter sein würde. Hier spielte das keine Rolle. Der regen schützte, hüllte ihn ein und trug alles unglaublich einfach davon. Er legte sein Inneres frei, zog die Decke der Wahrheit fort, unter der man sich sowieso nie ganz verbergen kann. Hier konnte es niemand sehen. Keiner würde sagen können, ob es Regen oder Tränen waren, die über sein Gesicht liefen. Sie wurden beide gemeinsam fortgewaschen.

 





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