Mond

Nevermore


Teil: 1/1 [SongFic]
Status: abgeschlossen/ungebetat
Warning: schmalz, ein bisschen slash
Pairing: Artus/Lancelot
Disclaimer: die beiden Charaktere der Artus-Sage gehören ja eigentlich niemandem. In der Form, in der ich sie darstelle, entsprechen sie aber den Darstellungen in „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley. Nevermore ist ein wundervoller Song von Queen (gibts von Queen auch nicht-wundervolle?)
AN: Ich hab noch nie slash geschrieben und vielleicht ist es deshalb nicht so ganz ausgeführt, die Schuld dafür, dass ich das überhaupt angefangen habe, geht jedenfalls an Ilka und Jenny. Ihr legts drauf an zu infizieren, oder?


„Er hat sich geweigert, sich zu ergeben. Er hat Gareth getötet und ist geflohen, wir konnten sie nicht aufhalten. Die Wachen am Tor wurden buchstäblich umgeritten. Seine Schuld hat sich damit ins unermessliche gesteigert, davon kann selbst ein Lancelot sich nicht reinigen.“ Mordreds Stimme klang so unangenehm nüchtern, obwohl Artus sich sicher war, dass er litt, denn Gareth war ihm wie ein Bruder gewesen. „Er hat Euch verraten, das müsst ihr nun einsehen. Er kann niemals mehr zurückkommen... Niemals.“

Die Schritte seines einzigen Sohnes verklangen, seine eigenen wirkten dumpf, als er ans Fenster trat. Dann brach Stille an, so tiefe Stille, dass Artus glaubte die Mauern um sich herum Atmen zu hören. So still, dass selbst seine Gedanken ihm laut und hallend erschienen.

There’s no living in my life anymore
The seas have gone dry
And the rain stopped falling
Please don’t you cry anymore


‚Wir waren, nein, wir sind, Freunde fürs Leben. Wir waren sogar mehr als das, auch wenn es niemals jemand erfahren wird, denn wir waren etwas, das niemand jemals wagen würde in Worte zu fassen. Wir waren das und Freunde gleichzeitig. Ich weiß nicht, welche Seite in diesem Augenblick all meine Gefühle beherrscht: das „Mehr“ oder der Freund.’
Wie erstarrt hing der Blick des Königs fest auf den nebligen Feldern.
Dieses Land hatte sie beide an sich gebunden. Ihn als den König, Artus, den Friedensbringer und Gerechten, den Einenden, einen König mit einem unsichtbaren Heiligenschein. Lancelot als den Held, den kämpferischen und geschickten „Elfenpfeil“, dessen ehrenvoller Ruf aufgrund nobler Taten nur knapp dem Ruf seines guten Aussehens vorauseilte. Und nun, als Artus Blick auf diesem Land, seinem Land, hängen blieb, hatte er das Gefühl, dass selbst die Natur trauerte – um die zerbrochene Bindung, welche das Schicksal dieser beiden Menschen doppelt verknüpft hatte.
Artus stand allein da, umhüllt von Nebel und verloren wie Avalon, wie Camelot, wie jede seiner Taten bald sein würden, und ihm wurde bewusst, wie vergänglich das Leben war, denn selbst dann wenn das Herz noch schlug, konnte es schon aus einem gewichen sein. Er würde auch nicht weinen, das hatte er zum letzten Mal in den Armen seiner Schwester getan, doch auch sie war fort.
Dafür schien das Land zu weinen, um alles, was verloren war. Es regnete nicht, vielmehr legte sich ein trüber Schleier auf alles, der jegliche lebenshervorrufende Einwirkung von der Erde fern hielt, sowohl Sonne als auch Regen. Es gab nichts, was das Gras streicheln und zum Wachsen bringen konnte. Und so trocknete alles Grüne eher aus, weil das Land sich ausweinte.
Der Schmerz bei diesem Gedanken durchfuhr Artus hinterhältig. Er würde das Land gerne bitten sich nicht selbst zu schwächen, er weinte doch schließlich auch nicht. Der König in ihm war mit den Jahren sehr stark geworden und er sagte ihm, dass er seine Kraft nicht für sein eigenes kleines Leid aufbrauchen durfte. Aber er hatte keine Kraft über den Schmerz des Landes, mochte er sich auch König nennen. Er hatte keine Gewalt über die Gefühle eines anderen. Die Zeit, in der Gefühl existiert hatte, war vorbei.

Can’t you see
Listen to the breeze
Whisper to me please
Don’t send me to the path of nevermore


„Niemand wird die beiden auf ihrer Flucht aufnehmen, der Stern des großen Helden ist gefallen“, hatte Gawain gesagt. In seinen Augen lag kalte Entschlossenheit, die bestätigte wie kalt die Eisschicht war, die sich um seine Seele gelegt hatte. Er würde sie benötigen, wenn er Gareths Tod rächen wollte. Man sah es ihm an, doch Gawain sprach kein Wort darüber. „Er hat sich Eurem Urteil entzogen und sein Leben verwirkt.“
Artus blieb wie zur Bestätigung stumm. Er hatte ihn verlassen, einfach so und ohne ein Wort. Warum hatte er ihm nicht von Angesicht zu Angesicht die Wahrheit sagen können. Artus hatte es doch schon geahnt, er hätte alles akzeptiert, nur für ihn, doch diese Gelegenheit war ihm für immer genommen. Niemals wieder würden sie sich in die Augen sehen können und dabei sehen, was der andere fühlte. Vielleicht war gerade das der Grund, aus dem Lancelot fort war, weil er diese Erkenntnis nicht ertragen konnte. Er wollte nicht sehen und nicht hören, er hatte Artus so deutlich aus seinem Leben gewiesen, er hätte es nicht unmissverständlicher signalisieren können. Und das obwohl so viel zu sagen war, genau genommen alles, was niemals gesagt worden war.
‚Erinnerst du dich, wie der Frühlingswind frisch und lebendig uns berührte? Hast du das gleiche empfunden wie ich, dieses wundersame Gefühl sich selbst aufzulösen, wenn der Wind die Haut berührt? Es ist das gleiche Gefühl, wie bei deiner Berührung, ein Abfallen jeglicher Spannung. Hast du das denn nicht auch so empfunden?’
Es trieb Artus die Tränen in die Augen und in seiner Erinnerung fühlte er den Wind, doch in Wahrheit war die Luft still, kalt und feucht. Er musste hier raus, sofort.
‚Denkst du an mich oder denkst du an dich? Ich kann dich nicht mehr darum bitten, mir die Wahrheit zu sagen. Ich bitte dich nur, an mich zu denken. Oder schickst du die ganzen vergangenen Jahre in das Land des Vergessens? In ein Land des Nirgendwo, noch entrückter als das Feenreich es je sein wird?’

Even the valleys below
Where the rays of the sun
Were so warm and tender
Now haven’t anything to grow


Artus sah das Land, über das er ritt, sein Land, mit anderen Augen: die Hügel, Wälder, unendlichen Seen, Täler und Moore. Sie schienen ihm zum Spiegel seines Lebensinhaltes geworden zu sein. Er war sich sicher, dass sie nie wieder so lebendig sein würden, wie in der Zeit, als sie noch alle beisammen gewesen waren. Als seine Schwester für ihn da gewesen war, die ihm so vertraut war, obwohl ihre Ziele von seinen abgewichen waren. Als Gwyn bei ihm gewesen war, so zart und liebenswert, obwohl ihr Glaube ihn nach und nach fesselte, sie hatte nach ihrem Gewissen gehandelt. Er war nicht enttäuscht über die abrupte Wandlung, fast hatte Artus sie vorhergesehen.
Was hätte er ihr nicht alles gegönnt, was hatte er nicht alles getan für sie; so wie die Beltanenacht mit Lancelot und ihr. Er hatte das nicht nur für sie getan. Aber die Beltanefeuer waren erloschen, sein eigenes Feuer war es offenbar auch, mit ihm schied der Geist des Lebens in der Erde, auf der er lebte. Nur ein winzige Glut war da noch, die ihm Erinnerungen bescherte.
„Wirst du immer für mich da sein?“, hatte er gefragt. Er war lange ans Bett gebunden gewesen, als seine Wunde nach einem der vielen Kämpfe sich entzündete und Lancelot hatte sich um ihn gekümmert, gestützt wie einen alten Mann, wenn Artus an die frische Luft wollte.
„Ich werde immer da sein, selbst wenn wir neunzig sind und uns beide gegenseitig stützen.“
„Du bist der beste Freund, Galahad, den ich mir vorstellen kann. Du bist mehr als ein Freund.“
„Und du weißt, dass du mehr als nur Freund und König für mich bist, Gwydion.“ Lancelot lächelte dabei ein wenig spöttisch, denn keiner von ihnen pflegte eigentlich die alten Namen.
Doch sie würden beide vermutlich keine neunzig mehr werden. Keiner würde den anderen stützen.

Can’t you see
Why did you have to leave me
Why did you deceive me?


Lancelot hatte ihn schon vorher verlassen. Es begann an dem Tag, an dem sie alle auszogen, um den „Gral“ zu suchen. Wie töricht zu glauben, es könne je wieder sein wie zuvor. Lancelot war gegangen, aus Furcht einen Keil zwischen Artus und Gwyn zu treiben und hatte sein Herz in der Verzweiflung an einen unerreichbaren Becher gehängt, ohne zu bedenken, dass er auch einen Keil zwischen ihn und Artus trieb. Es gab so wenig, was sie hätte entzweien können, nicht einmal alles, was Lancelot hatte und Artus selbst nicht. Er war der Held, der Ritter den Kinder überhöht bewunderten und der Mann, denn Gwenhwyfar begehrte.
„Wäre Lancelot nicht mein bester Freund, ich würde rasend werden vor Eifersucht“, hatte er selbst einmal scherzend gesagt. Er war es selbst jetzt nicht. Der Freund überwog, oder das, was sie darüber hinaus gewesen waren?
Das Gefühl seiner warme Haut an der seinen verwischte alle Selbstzweifel, seine Hände bewahrten ihn vor jedem Fall und lösten die Anspannungen. Warum hatte er ihn allein gelassen? Konnte es nur die Furcht sein – oder schlimmeres? Das Blitzen in seinen Augen, das er mit ihm teilte, verband sie so stark wie die Berührung der Lippen, das Blut rauschte im Gleichtakt durch ihre Adern und erfüllte sie vollkommen. Sie lebten zusammen, sie kämpften zusammen, sie ruhten zusammen. Was war es, das sie verloren hatten? Warum hatte er Artus von sich gewiesen? br /> You send me to the path of nevermore
When you say you didn’t love me anymore
Nevermore


‚Es ist alles vorbei. So wird es nimmermehr sein.’
Lancelot hatte nicht lebe wohl sagen können. Er hatte stattdessen eine Nachricht hinterlassen, wenn auch eine stumme: „Es ist zuende.“
Es gab nur einen Ort zwischen den Welten, an dem der Traum ewig leben würde. Artus war nicht lange im Feenreich gewesen und die Erinnerung daran war so verworren, dass er sie nicht genau zurückrufen konnte. Nur eins wusste er: die Feenkönigin kannte ihn. Sie sah tiefer in ihn hinein, als es jemandem sonst möglich war und sie würde ihn in ihrem Reich aufnehmen, wo er alle verwinkelten Träume tatsächlich erleben würde. Dort würde einer vom Feenvolk sein, der Lancelots Gesicht trug und er würde nicht sagen: „Niemals mehr.“
Er würde sagen: „Für immer.“
Doch das Feenreich war entschwunden. Artus würde es niemals mehr betreten. Ganz egal, wo und wie er noch einmal Lancelots Gesicht sehen würde: es würde alles anders sein. Sie würden Freunde sein, aber niemals wieder das, was sie darüber hinaus gewesen waren, das „mehr“.

Nevermore





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