Mond

Harte Arbeit


Vorwort: da gab es die Idee eines Wichtelns, das eigentlich ein „geschichteln“ ist. Also jeder gibt Wünsche/Vorgaben ab, den ein anderer bearbeitet. Pro Tag wird eine Geschichte veröffentlicht und daraus ergibt sich ein Adventskalender mit einer story pro Tag. Das nur mal, um zu erklären, woher das kommt. Einzige Gemeinsamkeit aller Geschichten sollte sein: sie haben ein wenig mit der Weihnachtszeit zu tun und sie sollen harry Potter FanFictions sein. Dieser Wunsch stammt von Anoel und war das Türchen Nummer 21.
Vorgaben: Ron, Hermine, Lavender, Madam Puddifoot’s, Romantik und Zickerei
AN: Es gibt in der gesamten Geschichte einige Anspielungen, nicht für jeden erkennbar, aber wer das Ziel dieser Anspielungen genau kennt, dem wird die Ähnlichkeit vielleicht auffallen.


„Weihnachtsglocken läuten, Weihnachtsglocken läuten…“
Eine Gruppe junger Sänger hatte sich mitten auf der Straße aufgereiht und stimmte mit viel Begeisterung und wenig Tongefühl Weihnachtslieder an.
Ron konnte den aktuellen Liedtext vollsten nachvollziehen, denn sein Kopf dröhnte mindestens so sehr wie die angepriesenen Weihnachtsglocken. Der durchdringende Singsang trug daran eine gewisse Mitschuld. Doch insgesamt war für Rons Bedürfnisse momentan einfach zu viel los.
Hermines letzte Reaktion, als sie ihm ihre magischen Vögel auf den Hals gejagt hatte, hatte Spuren hinterlassen, aber immerhin hat sie da überhaupt noch auf ihn reagiert. Auf der anderen Seite hatte Ron sich eine Beziehung irgendwie anders vorgestellt als Lavender das offenbar tat. Bei Ginny hatte das immer so furchtbar leicht gewirkt, dieses Geknutsche konnte doch nun wirklich nicht besonders anspruchsvoll sein…

„Oh, schau mal wie schön hier alles dekoriert ist, Won-won“, rief Lavender und deutete auf Madam Muddifoot’s. Sie wirkte sichtlich hingerissen, da gab es keine Frage und erst recht kein „Nein“ – Lavender zog ihn in das Cafe hinein.
Ja, so gesehen waren Beziehungen wirklich nicht anspruchsvoll. Keine Gehirnakrobatik, wie man sie man benötigte, um Hermine nur im Ansatz zu verstehen, nein, das basierte auf einfachsten Entscheidungen, es war einfach…
Geschockt blieb Ron in der Eingangstür stehen. ‚Kitsch’, schoss es ihm durch den Kopf.
Allein die vor Schmalz triefende Musik, die Ron von Weihnachtsabenden mit Tante Muriel kannte, hätte gereicht ihn zu bewegen, den Gesang der Amateurgruppe auf der Straße wieder auf sich zu nehmen. Aber diese plüschige Dekorierung in quietschigen Farben und Kerzen an jedem Tisch, deren Flammen ständig die Farben änderten, gaben ihm den Rest.

„Oh Lavender, lass uns doch…“
„Ja, setzen wir uns dort hin. Oh, es ist wirklich traumhaft.“ Sie schmiegte sich an ihn und wirkte, als würde sie gleich dahin schmelzen. Irgendwie, Ron wusste auch nicht genau wie, landeten ihre Lippen aufeinander – oder vielleicht eher die Zungen ineinander – und er samt Lavender auf einer grün bepolsterten Bank in der Ecke.
Als Madam Puddifoot kam, um ihre Bestellungen aufzunehmen, musste sie zunächst einen Augenblick warten, bis das Paar sich mit einem Geräusch, das dem saugenden ‚Plopp’ eines Abflussstopfers glich, voneinander löste.
„Was darfs seine, meine Lieben?“
„Zwei mal Tee mit Rum.“
„Won-won!“
„Äh… achso, einmal Kakao statt Tee.“
„Ohne Rum!“
Madam Puddifoot hob eine Augenbraue und sah die beiden skeptisch an als befürchte sie einen Einbruch der „idyllischen“ Atmosphäre ihres Cafes. Ron konnte nicht anders als nicken.
Es dauerte nicht lange und die Getränke standen auf dem Tisch: niedliche, kleine Tässchen mit Kerzen darauf, deren Flammen Herzchenform hatten.

„Oh, schau mal! Ist das nicht Hermine?“ Ron rollte die Augen. Das konnte er nun eigentlich nicht gebrauchen. Doch offenbar hatte diese ihn schon bemerkt und kam näher – hoffentlich nur auf dem Weg zum Nachbartisch. Ron versuchte ignorant in eine andere Richtung zu schauen, möglichst ohne es wie eine hilflose Geste aussehen zu lassen.
‚Hier hat sie schließlich keinen Schwarm magischer Vögel dabei’, dachte er, doch das würde er Lavender nicht sagen. Das wäre ja geradezu ein Angstgeständnis. Heldenmutig wagte er es Hermine und ihren Begleiter einen Moment desinteressiert anzuschauen.
„Na und, ist doch…“ Er schnaufte und konnte es trotz des Schreckens gerade noch verhindern, den Tee auszuprusten. Er hustete und versuchte die tränenden Augen sowie den Tee, der ihm aus der Nase lief, zu verbergen.
„Ist das nicht McLaggan?“ Seine Stimme klang vom Husten äußerst unheimlich und krächzend.

„Wie scharf bemerkt, Ronald“, erwiderte eine sarkastische Stimme neben ihm. Er brauchte nicht aufsehen, um zu wissen, wer dort stand und seine Reaktion mit ganz besonderer Aufmerksamkeit beobachtete.
„Scharf ist sein zweiter Name“, erwiderte Lavender mit einem kühlen Lächeln, während Ron, unfähig zu sprechen, noch darum kämpfte seine Situation zu retten, indem zur Tarnung in eine mit herumhüpfenden Rentieren bebilderte Serviette schnäuzte.
„Scheint eher, als wäre ausgerechnet ihm der Tee zu scharf geworden.“ McLaggan grinste und genoss die Situation sichtlich. „Nennt man sowas einen inneren Konflikt? Ein guter Torwart sollte sich immer darüber im Klaren sein, welche Richtung er einschlägt.“
„Seit wann hast du die Klugscheißerpille eingeworfen?“, blaffte Lavender ihn an. Ron legte ihr schnell unterstützend einen Arm um die Schulter. Er hätte es lieber selbst übernommen McLaggen eins auf die Nase zu geben, als Lavender das Schlachtfeld allein zu überlassen. Das konnte sein Gegner nur gegen ihn verwenden.

„Na na, wir sollten die Adventsstimmung nicht voreilig ruinieren.“ So sachlich wie Hermine das sagte, war Ron beinah versucht ihr zu glauben.
„Aber Mine“, murmelte McLaggan schmeichelnd und neigte sich so nah an ihr Ohr, dass seine Nase in ihren Locken verschwand, als wollte er ihr etwas zuflüstern, doch seine Worte waren nicht zu überhören. „Die Adventsstimmung kommt erst durch etwas Schärfe zur Geltung.“ Er hob fragend eine Augenbraue, als wolle er Ron herausfordern.
„Vergiss es, was auch immer du willst“, erwiderte dieser nur. „Würz deine Adventsstimmung anderswo! Verzeihung für die schroffe Abweisung, aber wir möchten unsere Adventsstimmung lieber zu zweit genießen.“
„Oh nein, mir bricht das Herz“, antwortete McLaggen theatralisch.
„Freut mich für dich, aber bitte kurier es woanders, oder Won-won wird dir keine Gelegenheit mehr dazu geben.“ McLaggen sah Lavender an, als überlege er, ob er ihre Aussage ironisch zu deuten hatte oder ernst nehmen sollte.

„Ach?“ Hermine hob lächelnd eine Augenbraue. „Seit wann ist er denn so angriffslustig, der Won-won?“
„Jetzt reicht’s!“ Ron sprang auf. „Nenn mich nicht so!“
„Ron!“ Lavender wirkte ehrlich schockiert.
„Nein, ich mein doch dich nicht, dich nur…“
„Wen?“ Hermine verfolgte irrtiert seine Gesten. „Tut mir ja wirklich leid, ich hör diesen Namen momentan so oft, dass mein Kopf deinen Namen ganz automatisch dadurch ersetzt hat.“
„Dann sag doch wenigstens einmal deinem Kopf, dass er die Klappe halten soll!“ Ron konnte sich nicht erinnern, sich jemals gewünscht zu haben, dass Hermine nicht dachte und ihr Blick erinnerte ihn daran, wo er ohne diesen Kopf wäre. Einen Moment glaubte er, sie würde ihn anschreien. Doch dann lächelte sie nur kühl.
„Willst du das wirlich? Hm? – Vergiss es, Zicke!“

Das war zu viel für Ron. Nicht nur, dass sie ihn so genannt hatte, das war einfach nicht Hermine. Vor ihm stand ein gradezu angriffslustiger Mensch, der ihm jedes Wort im Mund herumdrehen würde.
„Verdammt, was weiß ich, ob ich das will! Aber jetzt eben nicht!“
„Klingt kompliziert und dürfte dein Leben nicht grade einfacher machen…“ Sie betrachtete ihn mit Mitgefühl.
„Erwarte nicht immer von allen Gehirnakrobatik!“
„Sicher nicht, auf dem Feld bist du sowieso bekanntlich Bewegungslegastheniker.“
„Ich hab eben nicht so einen… voluminösen Kopf wie du“, erwiderte Ron mit einem gehässigen Blick auf Hermines unzähmbaren Lockenschopf, über den sie sich selbst oft genug aufregte.
„Kein Problem, das machst du mit deiner großen Klappe wieder wett.“
„Hast du was gegen seine große Klappe einzuwenden?“, mischte sich nun Lavender ein und schmiegte sich an Ron. „Also ich mag sie ganz besonders gerne.“ Sie tauschte einen lang anhaltenden, geräuschvollen Kuss mit ihm und lächelte Hermine süffisant an. Ron versuchte es ihr so überzeugend wie nur möglich nachzutun.
„Wow!“ Hermine machte ein beeindrucktes Gesicht. „Was für ein romantischer Eingriff. Entschuldigt, wenn ich gleich mal zur Toilette renne.“ Sie tat so, als wolle sie sich abwenden und McLaggen wieherte beinah vor Lachen.

Für Lavender schien nun endgültig das Limit der Erträglichkeit überschritten zu sein.
„Nein, das reicht! Hör auf, unsere Bezihung auseinander zu nehmen, Hermine. Dazu hast du kein Recht! Im Grunde kann es dir, doch vollkommen egal sein, was wir hier tun! Oder was genau stört dich daran? Vielleicht würde das deinen ‚Freund’ auch interessieren.“
Hermine setzte eine schockierte Miene auf, als könne sie mit dieser Unterstellung nichts anfangen. Die Bezeichnung von McLaggen als ihren ‚Freund’ überhörte sie völlig.
„Oh nein, steck nur ruhig weiter deine Zunge in Won-wons Hals. Wie kommst du drauf, ich würde dich dran hindern wollen? Hab ich das je gesagt? “ Sie schnaubte abfällig durch die Nase.
„Fein“, erwiderte Lavender schnippisch ohne ihren bohrenden Blick von Hermine abzuwenden, so als erwarte sie doch noch einen Kommentar. Irritiert beobachtete Ron die imgainären sprühenden Funken zwischen den beiden.
„Äh… gut, dann wissen wir jetzt wenigstens wo wir stehen.“
„Stimmt. Nicht auf Augenhöhe jedenfalls“, erwiderte Hermine ungerührt.
In Anbetracht der Tatsache, dass Ron sie deutlich überragte, war das ein eher unpassendes Bild. Er hob den Kopf ein wenig, um die Unsinnigkeit ihrer Bemerkung zu unterstreichen und lächelte.
„Oh nein, das ist nicht dein Ernst… Du weißt schon, was eine Metapher ist, oder?“
Rons Wangen färbten sich rosa, auch wenn er sich selbst dafür hasste, er konnte es nicht ändern. Er wollte nur noch weg hier, weg von McLaggen, der grinste wie ein Dreijähriger, der gerade einen Knuddlmuff zu Weihnachten bekommen hatte, und Lavender, die vergeblich drauf wartete, dass Ron mit einer fiesen Bemerkung auftrumpfte.
„Öhm… okay, dann klären wir das jetzt, damit wir auf Augenhöhe sind.“
Dummerweise gingen ihm die Argumente aus. Wann war das in einem gespräch mit Hermine eigentlich je anders gewesen? Gerade dafür war er ihr oft böse, aber die aktuelle Soituation eskalierte, das war nicht mehr die Hermine, die mit sachlichen Argumenten um sich warf, diese Hermine schoss mit scharfen Beleidigungen.
Er drängte sie an den anderen beiden vorbei bis zum Ausgang.

„Du möchtest etwas klären?“ Hermine wirkte ehrlich überrascht. „Ich hab Won-won-Dickkopf noch nie so kompromissbereit erlebt.“
„Hermine, ich halt das nicht mehr aus! Ich hab wirklich keine Ahnung, wie ich dir helfen kann, also sag gefälligst, was dein Problem ist und hack nicht auf mir rum!“
„Das klingt einfach.“
„Ja, warum sollte es das denn nicht sein?“ Ron verlor die Geduld. „Warum zum Kuckuck auch musst du immer Madam Besserwisser sein und allen das Leben schwer machen?“
„Das kommt dir nur so vor. Gegenüber dir ist man einfach Besserwisser.“
„Genau das mein ich!“ Seine Stimme klang nun schon fast hysterisch und dass Hermine das überhaupt nicht zu rühren schien, machte es nicht besser. „Du machst das nur bei mir und das muss einen Grund haben. Offenbar ist was Besonderes mit mir. Das Ganze hat was zu bedeuten…“
„Es bedeutet, dass du ein aufgeblasener Idiot bist!“
„Hermine!“ Er fasste sie an der Schulter, um zu verhindern, dass sie ging und ließ sie schnell los, als ihm klar wurde, was er tat. Eine Weile rang er mit den Worten. „Bitte!“ Es fiel ihm einfach aus dem Mund.
„Ich ertrag diese Situation nicht. Hör mir wenigstens zu. Du kannst nicht sagen, dass du nicht auch bemerkt hättest, dass was mit uns wär. Ich kann es nicht ändern. Das ist, als wäre es ein Naturgesetzt, dass wir uns ständig wegen irgendeinem Mist streiten müssten. Vielleicht...“ Er stockte. „Vielleicht verstehen wir uns eigentlich richtig gut und gehören deswegen erst recht zusammen. Hey, wir waren immer ein super Team. Unser Streit, äh… verstärkt das nur. Ganz klar.“
„Klingt wie kompletter Schwachsinn.“ Sie musterte ihn kühl und Ron konnte diesem ausdruckslosen, unerträglich sachlichen Blick nicht länger standhalten.
„Klar…“, Ron starrte sie wie hypnotisiert an und wandte sich dann schließlich um. Lavender wartete schon und dass das Siegesgrinsen auf seinem Gesicht fehlte, schien sie sehr zu irritieren.

Er sah nicht mehr, dass Hermine versucht war noch etwas zu sagen, doch dann beließ es nur bei dem Gedanken. ‚Kompletter Schwachsinn kann ganz schön hart zu verdauen sein… Das ist die Wahrheit meistens.’
‚Beziehungen sind anspruchsvoll’, ging es Ron durch den Kopf. ‚Wenn ich mal rausgefunden habe, was an der ganzen Sache so viel Arbeit und Probleme macht, bin ich ein großes Stück weiter.’
Mit Harry konnte er nicht über diesen Vorfall reden, es war zu peinlich. Aber er kannte jemanden, der hätte versuchen können, ihm die Sache zu erklären, jemand, der eigentlich immer alles neutral erklären konnte. Aber dieser jemand schien momentan nicht viel Wert darauf zu legen, überhaupt mit ihm zu reden. Und plötzlich kamen ihm Zweifel, ob dieser jemand auch diesemal wirklich eine Antwort haben würde.




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