Mond

Titel: Das Gespenst der Liebe

Disclaimer: Alle Personen gehören JKR. Nur dem Blutigen Baron musste ich einen von mir erfundenen Namen geben, da sonst nichts bekannt war. Die Songzitate stammen aus "The Song of Hope" aus dem Musical "The Lord of the Rings"

Zusammenfassung: Am ersten Weihnachten seit dem Kampf um Hogwarts treffen sich zwei Geister. Sie haben eine gemeinsame Vergngenheit und - vielleicht - doch noch eine gemeinsame Zukunft?

Wandering the empty world
In twilight′s silver shade
Following the hidden paths
lonely and afraid

"Du bist einsam."
Es war so ungewohnt, diese Stimme zu hören, dass sie kurz zusammenzuckte, als sie deren Klang vernahm. Man mag es kaum glauben, aber selbst ein Geist kann erschreckt werden.
"Eine seltene Ehre, Euch sprechen zu hören, Baron. Aber immerhin zu so einem festlichen Anlass." Ihr Blick schweifte über die riesige, schöne Tanne, mit ihren ausladenden Zweigen, welche die Große Halle schmückte.
"Ihr seid sehr einsam", wiederholte er unbeirrt.
"Das sind andere auch."
"Es fällt mir so schwer, es gerade an Euch zu sehen."
"Das fällt euch gerade heute ein?" Ihre Miene verdüsterte sich. "Bloß wegen dem bisschen Weihnachtsstimmung?"
"Nein. Aber heute muss ich es Euch mehr sagen als sonst. Ich will Euch nicht einsam sehen. Nicht heute."
"Ich bin es schon ein paar Jahrhunderte und ich le... ich bin immer noch da. Wo ist Euer Problem?"
"Ihr leidet sehr, Mylady."
"Was versteht ihr davon?" Ihr Gesicht wurde noch trauriger als gewöhnlich und ihr Blick wirkte entrückter als zuvor. "Meine Leiden, Baron, waren Euch schon Zeit meines Lebens fremd."

"Es gibt keine Worte dafür, wie sehr ich dich verehre!", schwärmte der Edelmann mit leuchtenden Augen und ergriff schneller ihre Hand, als ihr Blick seiner Bewegung folgen konnte. Der in sich gekehrte Blick seiner Angebeteten war für ihn Teil einer anderen Welt, stattdessen sah er nur sie, wie sie hätte sein sollen: Helena Ravenclaw, stolze Tochter einer der Gründer von Hogwarts und eine edle, junge Dame von großer Schönheit und gesegnet mit einem strahlenden Geist. So glaubte er, sie vor sich zu haben...
"Das weiß ich wohl, Baron. Dennoch sehe ich darin keine Zukunft." Sanft löste sie seine Finger von ihrer Hand und wandte sich ab. Der junge Baron blieb perplex zurück und starrte einen Augenblick fassungslos in die Luft, eh er sich wieder sammelte und ihr nachlief. Schnell drängte er sich an ihrer Seite vorbei und versperrte ihr den Weg.
"Ich glaube dir nicht." Sein Gesicht war bleich und seine Augen suchten ihre, hofften auf eine Regung in ihrem Gesicht, die ihm sagte, dass sie nur ein Spiel trieb, aber nicht wirklich meinte, was sie sagte.
"Wir sind uns so nah..."
"Wir waren es", unterbrach sie ihn. "Baron, es tut mir leid."
"Es tut dir leid?" Seine Augen loderten plötzlich vor unterdrückter Wut über sein gekränktes Ehrgefühl. "Es tut Euch leid, Mylady?" Er betonte die förmliche Anrede so sehr, dass er ihr die Worte beinah ins Gesicht spie. "So leid, dass Ihr mich nicht einmal mehr so ansprechen könnt wie früher?"
"Cycnos, das war..."
"Ja, ich weiß, was es war. Dummheit!" Abrupt wandte er sich ab. Schwer atmend starrte er die Wand an und sprach weiter, ohne Helena anzusehen. "Ich habe eingewilligt, dass wir niemandem etwas sagen, da deine Mutter und mein Onkel in letzter Zeit so starke Meinungsverschiedenheiten hatten. Ich habe den Druck dieser heimlichen Beziehung lange auf mich genommen - nur in der Hoffnung, am Ende deine Hand zu gewinnen. Und nun sagst du, wir haben keine Zukunft? Wir hatten eine. Warum haben wir jetzt, wo unsere Zeit gekommen ist, keine Zukunft mehr?"
Er warf einen zaghaften Blick über die Schulter. "Du bist so wunderschön, Helena. Habe ich dich an einen anderen verloren, einen jungen Schönling? Verrätst du mich und meinen Namen wie deine Namensgeberin aus der Antike es gegenüber ihrem Mann tat?"
Die junge Frau seufzte tief. Mit so viel theatralen Reden hatte sie nicht gerechnet.
"Wenn du so empfindest, dann bitte ich dich, nicht einen solchen Krieg zu verursachen, wie es wegen dieser Frau damals geschah."
Blitzschnell fuhr er herum, sodass sie erschrocken zusammenzuckte, und nahm ihr Gesicht in beide Hände.
"Dann ist es wahr? Habe ich Recht? Ist es wahr, Helena?"
"Nein, Ihr habt nie recht!", rief sie und riss sich energisch los. "Aber etwas habe ich von jener Helena: Glaubst du diese Helena hätte ihr Leben geändert, wenn sie mit dem alten glücklich gewesen wäre?" Der Baron sah seine Angebetete nur verständnislos an.
"Seid ihr es denn nicht? Ihr sei die Tochter einer der angesehensten Hexen, die es je gab! Ihr seid charmant! Ihr seid bezaubernd schön! Ihr seid für mich alles!"
Eine Weile herrschte eine angespannte Stille. Helena kaute auf ihrer Lippe, als würde sie überlegen und sich ihre Wörter sehr genau zurecht legen.
"Ja, vielleicht bin ich das", sagte sie ruhig. "Aber mehr bin ich nicht."
"Aber ..."
Sie wehrte seinen erneuten Annäherungsversuch ab.
"Die Liebe ist gestorben, Cycgnos Slytherin. Falls sie jemals lebte..."

Er seufzte. Er hatte sich nichts Leichtes für diesen Abend vorgenommen und für jemand, der ungern viel sprach, wurde er heute dazu gezwungen, ungewöhnlich viel zu sagen.
"Vielleicht habt Ihr recht. Dafür leide ich durch alle Jahrhunderte danach mit euch."
"Soll mir das etwa ein Trost sein?"
"Ich dachte, Ihr könntet Euch Trost gönnen, wenn es nicht nur um Euer Willen ist."
"Vielleicht um Euer Willen, Baron? Wollt Ihr, dass ich Euch vergebe?"
"Das könnt Ihr nicht und das braucht Ihr nicht. Die silbernen Flecken auf mir werden auch dann nicht verschwinden. Aber ihr könnt die Flecken auf Eurer Seele auslöschen."
"Wie kommt Ihr darauf, dass dort Flecken sind?"
"Ich sehe sie jeden Tag, Mylady, jede Nacht. Immer. Und ich kann nicht wegsehen."
"Nein, das könnt Ihr nicht. Grausamkeit war schon immer anziehend für Euch."
"Ihr seid es, die mich anzieht", erwiderte er energisch. "Ihr zwingt mich diese Grausamkeit, die Ihr Euch selbst antut, anzusehen... Warum nur kamt Ihr wieder hierher?"

Die Kerzen an der Drecke strahlten in ihrem warmen Licht und verbreiteten eine Atmosphäre der Geborgenheit. Stundenlang konnte Helena hier sitzen und das Licht der Kerzen, die unter der Decke schwebten, beobachten. Das Licht von tausend Kerzen war sanfter als wenn es alles eine große Flamme gewesen wäre. Auf diese Weise war das Feuer ausgeglichen. Helena hatte noch nie gefragt - genau genommen hatte sie wenig Lust, einen der Erwachsenen zu fragen, die sie nur wieder in lange Geschichten über "früher" verstricken würden - aber sie glaubte, dass diese Idee nur von der sanftmütigen Helga kommen konnte.
Jedenfalls war es sicher keine Idee ihrer Mutter, die erfand nur launische Treppen, die einem den Tag damit vermiesten, dass sie einen zu Umwegen zwangen. Und trotzdem - auch die Treppen hatten etwas für sich. Sie waren die perfekte Ausrede, wenn man sich verspätete, wenn man irgendwo nicht auftauchen wollte oder wenn man Langeweile hatte und nicht wusste wohin. Das war sicher nicht der ursprüngliche Sinn der Erfindung der eigenwilligen Treppen gewesen, aber Helena war es herzlich egal, ob sie die Treppen ihrer Mutter verfremdete.
Sie liebte an Hogwarts alles, und zwar ausnahmslos alles, so wie es war, ganz egal, warum es so war. "Warum" war überhaupt das blödeste Wort, das es geben konnte. Für Kinder war es besonders interessant. Wenn man sich aber jedes Mal, wenn man seine "Warum"-Fragen aussprach, eine lange Rede voller "vielleicht" und "womöglich" anhören musste, dann verlor man schnell den Spaß an diesem Wort. Sie war doch erst elf Jahre alt! Und was sie wollte, waren Antworten und keine schleierhaften Hinweise. Sie wollte nicht denken, sie wollte träumen. Und auch wenn es eine Schule war, war Hogwarts doch der perfekte Ort dafür. Ob die Gründer sich dessen bewusst waren?
Schritte vom Eingang der Halle her, ließen Helena aufhorchen. Vielleicht ihre Mutter? Schnell kroch sie in einen Winkel, von da aus hinter die monströse, geschmückte Tanne und beobachtete von ihrem Platz hinter Ästen den Mensch, der in ihre Ruhe eindrang.
Ein junger Mann, sie kannte ihn. Er kam öfter, um seinen Onkel Salazar zu besuchen und natürlich musste er auch heute hier sein, schließlich war Weihnachten. Obwohl er so jung war, kaum ein Mann, war er bereits Baron, wie Helena gehört hatte. Tja, man brauchte aber auch nur einflussreiche Eltern für sowas... Ob er so empfand wie sie?
Auch er war gern hier, das sah sie ihm bei jedem Besuch an und auch wenn sie nicht die Fähigkeiten besaß, die ihre Mutter sich erwünscht hätte, war das Mädchen zumindest eine gute Beobachterin. Heute Abend würde sie ihn ansprechen. Was konnte schief gehen? Heute Abend war alles möglich, es war schließlich Weihnachten und der Zauber, der diesem Ort innewohnte, übertraf alles.

 

"Warum seid ihr wieder hierher zurückgekehrt?", erwiderte sie, anstatt zu antworten.
"Mein Fluch wohl. Ich muss da sein, wo Ihr auch seid. Ihr, für die ich gestorben bin."
"Wie rührend und komisch zugleich. Denn ich glaubte immer, es wäre genau andersherum." Sie lächelte sarkastisch - aber sie lächelte, ein seltenes Spiel in ihrem Gesicht.
"Nein, es ist nicht komisch", sagte er. "Aber vielleicht trifft es beides zu. Wer kann sagen, wer wen verflucht hat?"

Sie waren so unpassend mitten in diesem fremden Wald, weit weg von dem Ort, wo sie hingehörten. Die Frau mit dem von der Flucht abgewetzten Umhang und der vornehme Mann, der noch mehr wie ein Fremdkörper hier wirkte als die blasse junge Frau, mit dem verschmutzten grauen Kleid.
Die Kälte des Winters ließ ihrer beider Atem als Dampfwolken in die Luft steigen und man sah, dass sie beide schnell atmeten: Sie vor Aufregung und Angst, er überwältigt von dem Verlangen, seiner Selbstsicherheit und der Naivität, die ihn davon abhielt, seinen eigenen Wahn zu erkennen. "Verschwindet von hier!", zischte sie wütend. Ihre Stimme klang angriffslustig doch im Grunde war sie nur bemüht, nicht verzweifelt zu klingen. "Das hier ist nicht Euer Problem!"
"Doch, das ist es, Mylady", erwiderte er eisern. "Ich bin hier, weil Ihr hier seid und ich werde nicht gehen, ehe Ihr mit mir kommt." Er packte sie am Arm und sein Griff war unerwartet fest. Seine Hand langte bereits nach dem Zauberstab, um zu apparieren, doch sie versuchte so energisch sich loszureißen, dass er sie mit beiden Händen festhalten musste.
"Helena, ich liebe Euch."
"Ach, haltet ihr das hier etwa für romantisch? Für heldenhaft?"
"Ich will Euch helfen, kommt mit mir." Seinen Augenblick der Unachtsamkeit nutze sie, um sich aus seinem Griff zu befreien.
"Nein! Ihr wollt nur Euch helfen. Ihr wollt heldenhaft sein und die Achtung in den Augen meiner Mutter wiedergewinnen, die euer Onkel durch seinen Fanatismus verloren hat! Aber Ihr seid genauso wenig kompromissbereit und menschlich wie er!"
"Wie könnt Ihr so über Salazar reden!" Seine zornige Stimme hallte durch den tiefen Wald. "Vielleicht ist er zu weit gegangen mit dieser Kammer, aber immerhin ist er ein Zauberer, der wahrhaftig zu seinen Idealen steht. Das tue ich auch - und ich stehe zu Euch. Lasst uns Ravenclaw und Slytherin wieder versöhnen."
"Warum sollte ich Euch einen Gefallen tun?", erwiderte sie schnippisch.
"Ihr könntet schon Eurer Mutter einen Gefallen tun", antwortete er mit plötzlich ruhiger Stimme. Helena zitterte bei dieser Antwort und das lag nicht an der Kälte. Als er sie aufgespürt hatte, hatte sie zunächst befürchtet, von jemand anderem gefunden worden zu sein. Sie fürchtete sich wirklich...
"Das kann ich nicht", flüsterte sie mit bleicher Miene. Langsam kam er auf sie zu und ergriff ihre eiskalten Hände.
"Es ist Weihnachten und sie brauch Euch." Sie reagierte nicht einmal, ihre Miene war erstarrt. "Weihnachten, Helena, Weihnachten! Heute! Geht die Zeit in diesem Land hier so sehr an Euch vorbei? Es wird ihr letztes Weihnachten sein - ohne Euch. Sie stirbt, erdrückt von ihrem Leiden."
"Ihrem Leiden?" Es war ein hysterischer Aufschrei. Einige Vögel in einem nahen Baum flogen erschrocken auf. "Ihr Leid? Was ist mit meinem Leid, Cycnos?"
Er antwortete nicht, starrte nur auf ihre Hände, eher er flüsterte: "Kommt nach Hause."
Seine Worte waren sanft, beruhigend. Zuhause sein, das war es, was sie sich wünschte...
Dann sah sie in seine Augen. Er sah weniger liebend aus, als gefährlich und sie wusste, dass sie nicht nachgeben konnte. Ja, vielleicht hatten sie sich geliebt, doch jetzt war alles verwischt von seinem Zorn über ihre Zurückweisung, seinem Ehrgeiz, der ihm befahl, die unnahbare Helena Ravenclaw zu besiegen. Sie machte einen Schritt zurück, den Blick nachdenklich auf den Boden gerichtet. Er breitete die Arme aus, als wolle er sie auffangen.
Doch statt einer sanften Umarmung traf ihn ihr Fluch in die Magengrube und schleuderte ihn zurück. Schneller als er reagieren konnte, hatte die jungen Frau sich umgewandt und floh rennend in den Wald. Sie musste ihn fortführen, von ihrem Versteck und einen ruhigen Ort finden, um zu apparieren, Albanien war nicht mehr sicher. Seine Rufe verfolgten sie und sie ärgerte sich, ihn nicht mit einem stärkeren Fluch außer Gefecht gesetzt zu haben. Auch das Diadem konnte sie nun auch nicht mehr holen...
Ein Fluch traf einen Ast unmittelbar neben ihrem Ohr. Sie hatte vergessen ihn zu entwaffnen und so konnte sie ihm unmöglich den Rücken zukehren. Abrupt drehte sie sich um und feuerte zurück. Es war ihr plötzlich egal, was sie anrichtete, sie wollte nur ihre Ruhe. Nie wieder von ihm hören! Nie wieder von ihrer Mutter hören! Nicht einmal mehr das blöde Diadem wollte sie besitzen.
Ihr Entwaffnungszauber durchbrach seine Deckung und flink fing sie seinen Zauberstab auf. Erschrocken hielt er inne, den Blick lauernd auf sein Gegenüber gerichtet.
"Du kannst mir nichts antun, das weiß ich." Er lauerte. Er führte etwas im Schilde, sie spürte es. "Du traust dich nicht, mich zu verletzen, aber ich lasse dich auch nicht fliehen."
"Und wie wollt ihr mich besiegen ohne Zauberstab?", höhnte sie. Seine Augen fixierten ihre und für einen Moment war sie abgelenkt. Ihr Verhängnis.
"Mit List." Bevor sie sich richtig bewusst war, was geschah, hatte er sein Schwert gezogen und Drang auf sie ein. Helena wusste nicht wie ihr geschah. Sie feuerte Flüche, die Cycgnos geschickt mit der flachen Seite seiner Waffe abblockte. Die Luft war erfüllt von den hin- und her schießenden Flüchen, dem Sirren der die Luft durchschneidenden Waffe und plötzlich war alles still.
Cycnos spürte, dass sein Schwert traf. Der letzte Fluch prallte an einen nahen Baum. Und Helena sank zu Boden. Es war, als hätte jemand die Zeit angehalten. Cycnos musste nicht hinsehen, um zu wissen, was er getroffen hatte und sein Herz zog sich zusammen.
"Helena! Es ist nicht möglich! Ich wollte nicht..." Seine Augen sahen die Wunde in ihrem Bauch, aus der Blut strömte. Es gab keine Rettung, er war eben kein Heiler und er wagte nicht einmal sie hochzuheben. "Helena, vergib mir", wimmerte er mit erstickter Stimme.
Zu seinem Erstaunen öffnete sie die Augen, die ihn noch erstaunlich wach ansahen. Sie hob die Hand, die sie auf den Bauch gepresst hatte und legte sie auf seine Brust. Blut klebte nun an seinen vornehmen Kleidern. Der Lebenssaft strömte nur noch schneller, es war eine Frage der Zeit, wann das Licht hinter ihren Augen erlosch.
"Nun bringt zu Ende, was Ihr begonnen habt, Baron. Oder wollt ihr zusehen, wie ich leidend dahinschwinde."
"Das könnt Ihr nicht verlangen", wisperte er entsetzt. "Ich habe das nicht gewollt und nun zwingt ihr mich, absichtlich ein Mörder zu werden?" Doch ihre Augen waren unerbittlich. Es war seine Strafe und er musste es tun, sollten ihre leidenden Augen ihn nicht ewig verfolgen. Langsam hob er das Schwert.
"Ist das nicht lustig?" Sie gab ein unnatürliches Geräusch von sich, wobei Blut aus ihrem Mundwinkel lief. Lachte sie? "Lustig, dass Ihr mir am Ende zur Flucht verhelft." Sie starb mit einem Lächeln und Cycgnos wusste, was er tun musste, nur eines noch.
"Nein, Helena, ihr werdet nicht allein sein." Und noch einmal hob er das Schwert.


"Wir sind verbunden, Lady. Durch den Tod."
"Durch was? Euer Gespenst der Liebe? Ich glaube nicht daran. Und wenn? Kommt es auf ein weiteres Gespenst unter Geistern noch an. Es ist bedeutungslos."
"Aber dieses Gespenst lebt nicht nur unter Geistern! Es lebt. Heute und hier."
"Was wisst Ihr davon, Baron? Ihr lebt nicht und die Lebenden meidet Ihr."
"Ihr gewöhnlich auch. Aber heute seid Ihr Ihnen näher. In der Großen Halle. Im Gemeinschaftsraum. Wenn sie schlafen. Und ihr seht, wie sich heute Nacht der leere Platz am Fußende des Bettes mit Päckchen füllt. Man würde zu gern eines anfassen, nur wenigstens das bunte Papier und das Band befühlen, die Liebe darin."
Zum aller ersten Mal wirkte sie verunsichert. Vor ihren Augen sah sie alles, was er beschrieb. Sie sah die Schüler, die Knallbonbons öffneten, den Baum in der Halle und die Kerzen bestaunten, wie sie selbst früher. Schüler, die sich näher kamen und unter einem Mistelzweig mehr als nur liebende Blicke tauschten. Sie sah es all die Jahre, wie die anderen Bewohner des Schlosses und hatte sich dabei doch immer allein und unbeobachtet gefühlt.
"Auch ihr?" Er schwieg nur. "Wie kommt es, dass der gefürchtete Blutige Baron so zärtlich über diese eine Nacht im Jahr denkt?"
"Darf man sich im Tod nicht mehr verändern."
"Weil die Logik es nicht zulässt. Geister können sich einfach nicht ändern. Es sei denn, ihre Umwelt, der sie entstammen, verändert sich sehr extrem. Deswegen werden ja Geister so schnell angriffslustig, wenn ein dummer Muggel sein ehemaliges Wohnhaus abreißen will."
"Genau. Und diese Umgebung hier, Mylady, hat sich verändert!"
Er streckte den Arm aus, wies auf seine Umgebung und sie sah was er meinte. Zwar war alles repariert worden, doch man sah die Risse hier und dort, zurückgelassen als Mahnung, an die folgenden Generationen, was ein Krieg selbst einem ehrwürdigen Ort wie Hogwarts antun konnte. Man sah Flecken, von den Flüchen. Und gerade sie als Geist spürte die hier Verstorbenen. Und noch etwas spürte sie, etwas, das neu war - den starken Zusammenhalt. Die Einigkeit. Sie spürte... Versöhnung.
"Deswegen heute Nacht?", fragte sie fast schüchtern.
"Deswegen heute und an keinem anderen Weihnachtsabend der Jahrhunderte davor."
Zum ersten Mal wirkte sie berührt. Sie blinzelte, obwohl dies mehr aus der Gewohnheit entstand, durch die Reflexe des Körpers, den sie nicht mehr hatte, durch die Tränen, die sie nicht mehr weinen konnte.
"Wurde nicht genug geweint, Helena?"
"Ich möchte an dieses Gespenst glauben! Warum überfordert mich das so sehr? Sind Jahrhunderte eine zu lange Zeit, um noch zu lernen, an das Gespenst der Liebe zu glauben?"
"Ich weiß, was ihr meint. Ich weiß es sehr gut. Aber ich rate Euch, beginnt zunächst, davon zu träumen - der Glaube kommt später. Und heute Nacht träumt man am besten."
Sie nahm seine Hand, die er ihr reichte. Der Blutige Baron und die Graue Dame schwebten in die menschenleere Große Halle und betrachteten den mit Schneewolken bedeckten Himmel dazwischen leuchtete ein Mond hervor.
"Warum ich wieder herkam?", sagte sie und erinnerte an die offene Frage. "Ich wollte zuhause sein. So, wie ich es in meiner Erinnerung sah - obwohl es nie so war. Aber jetzt, jetzt bin ich zuhause."
Ohne dass sie es merkten, war da ein dritter Geist. Im Grunde war er ja immer da, doch gerade war er besonders präsent - nicht nur hier, sondern im ganzen Schloss und überall. Es musste ein ganz besonders herausragender Geist sein. Denn von wem sonst hatte man je zuvor gehört, so oft gestorben zu sein - und doch immer wieder neu gestärkt zu erscheinen?

Let the sunlight free the heart
Forever bound to roam
And let the waking morning find
The weary traveller returning home





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